ITALIENREISE 2014 – Besuch der Hundelager SUPINO & SGURGOLA

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen…..

Nur – will das wirklich jemand wissen, was wir von dieser Kurzreise zu erzählen und zu berichten haben? Wollen die Leute wirklich wissen, was sich hinter der Fassade von „Bella Italia“ zuträgt?  Was passiert hinter den malerisch gelegenen Olivenhainen, außerhalb der wunderschönen Städte teils am Meer, teils in den Bergen gelegen? Zugegeben: Italien ist wirklich eine Reise wert, nur im Tierschutz hapert es noch gewaltig.

Es ist schon fast eine liebgewonnene Tradition geworden und so besuchten, auch heuer wieder Anfang März, ich und Michaela Weinzierl (Projektleitung Italien) unsere italienischen Tierschützer Giulia und Annarita in Rom, die wir mittlerweile schon zu unseren Familien zählen. Wir wurden mit offenen Armen herzlichst empfangen und verbrachten sonnige Tage bei unserer Giulia zuhause. 

Unser erster Weg führte uns in ein Hundelager, dessen Besitzer noch ein Herz für die Tiere zeigt (was leider eher in Italien eine Seltenheit darstellt). Dort leben ca. 700 Hunde und werden ausreichend gefüttert, tierärztlich versorgt und auf dem groß angelegten Gelände gibt es auch Ausläufe mit vielen schattigen Bäumen, in denen die Fellnasen wechselweise frei laufen dürfen. Das Leben ist für einen Hund dort sicherlich auch nicht einfach und viele werden wohl nie diesen Ort verlassen können, aber zumindest müssen sie keinen Hunger leiden, haben ein Dach über dem Kopf und es sind Menschen um sie herum, die es gut mit ihnen meinen. Hier sorgt sich eine andere Tierschutzorga um die Vermittlungen.

Da unser Herz aber besonders für die Hunde in den Lagern (Canili) von Sgurgola und Supino schlägt, war es eine Selbstverständlichkeit, dass wir uns hier umschauten. Das Hundelager Supino liegt im Flachland außerhalb des Ortes – klar, das ständige Gebelle will sich ja niemand freiwillig antun. Also weit weg mit den ungeliebten Vierbeinern von der Zivilisation.

Schon beim Eintritt durchs Tor hat man unweigerlich einen dicken Kloß im Hals. Es sind drei lange Reihen hintereinander angeordnete Hundezwinger aus blankem Beton und Blech, ohne einen Schatten spendenden Baum. Man muss kein Hellseher sein, um sich vorzustellen, wie siedend heiß diese Böden im Sommer werden und umgekehrt wie eisigkalt im Winter.

Die Hunde erblickten uns sogleich und in sekundenschnelle hatten sie die Dezibel-Zahl eines startenden Flugzeuges erreicht. Schon alleine dieser Lärm ist eine Tortur für empfindsame Hundeohren.  Alle, ausnahmslos alle Hunde hüpften, bellten und freuten sich wie verrückt über den menschlichen Besuch. Durch die Reihen zu laufen und keine Emotionen zu zeigen, das kann nur ein Mensch mit einem Herz aus Stein.  :cry: Michaela ging in einige Zwinger von den Hunden, die wir auf unserer Homepage und auch unter www. Tiervermittlung.de eingestellt haben. Welche überschwängliche Freude bei den schuldlos inhaftierten Tieren! Ich wiederum machte Foto’s und filmte, was das Zeug hielt.

Zwei Hunde blieben uns hier besonders in Erinnerung: Segugio-Rüde SIRIUS (zu finden unter „Rüden) und Drahthaar-Hündin PAPRICA (bei den „Hündinnen“ eingestellt), die beide der Meinung waren, wenn sie sich lange und fest genug an die Gitterstäbe pressen, kommen sie da durch und können mit uns mit.  Beide Hunde, eigentlich von der Rasse her zur Jagd bestimmt, sind sehr sensible Geschöpfe und sowas von menschenbezogen, extrem schmusig und liebevoll. Sie dort zurücklassen zu müssen, tat uns in der Seele weh! Aber wir haben ihnen versprochen, dass wir helfen wollen und ihnen eine Familie suchen. Ich hoffe inständig, dass wir SIRIUS und PAPRICA nicht enttäuschen werden!

                SIRIUS                                            PAPRICA

Anschließend ging es weiter in das Hundelager von Sgurgola weit in den Bergen überhalb der Ortschaft gelegen. Hier, am gefühlten Ende der Welt, hinter Olivenplantagen versteckt, vermutet kein Mensch mehr ein Lebewesen. Auch in diesem Lager wieder ohrenbetäubendes Gebelle, als wir eintraten. Die Zwinger übervoll besetzt, Hunde über Hunde, wohin das Auge blickt. Kleine, große, junge, alte – alles quer Beet vertreten. Sämtliche Lagerinsassen stehen an den Zwingertüren und wollen raus. Keine Ahnung wie viele – die Masse erschlägt einem schier. Auch hier wieder fotografieren und filmen wir was geht.

Für eine Hündin endet heute die schwere Zeit im Lager und sie darf mit uns gehen: ISIDE. Sie hat in Deutschland eine Familie gefunden und diese möchte, dass ISIDE so schnell wie möglich das Lager verlassen kann. Die Familie bezahlt bis ISIDE’s Ausreise eine Pension, in die wir sie bringen. Dort werden alle notwendigen Vorkehrungen für ISIDE erledigt, damit sie beim nächsten Transport zu ihren neuen Menschen reisen kann, die schon sehnsüchtig auf die hübsche Hündin warten. Eine Seele gerettet, aber alle anderen müssen wir zurücklassen – wieder macht sich Herzschmerz breit!

Nach drei kurzweiligen Tagen bei unseren Freunden flogen wir beide wieder zurück in die Heimat. Im Gepäck: jede Menge Bilder und Video’s von Hunden, die ein Zuhause für immer suchen, aber auch viele Emotionen, die vor Ort in den Lagern entstanden sind. Uns ist es klar, dass wir ganz gewiss nicht allen armen Kreaturen dort helfen können, ABER: wer wegschaut und erst gar nicht zu helfen versucht, der wird sowieso nie etwas ändern (wollen). Wir schauen hin, wir werden weiterhin helfen und wir sind uns sicher, dass sich irgendwann der Tierschutzgedanke in Italien zum Positiven ändern wird. Bestimmt nicht gleich, aber auf jeden Fall im Laufe der Zeit!

Unsere Freundinnen Giulia und Annarita kümmern sich auch weiterhin in Italien mit Kampagnen (Kastrationsaktionen, setzen von Microchips, Infoveranstaltungen usw.) um die Präventionsarbeit. Und genau DAS ist wichtig: Auf- und Erklärung in Sinne des Tierschutzes. Es würde auch nichts nützen, nur Hunde aus den Lagern nach Deutschland zu bringen – nein, es muss sich in der Haltung der Menschen gegenüber einem Tier etwas verändern. Den unschuldigen Fellnasen, die aber nun schon geboren sind und in den Lagern verharren, denen müssen wir helfen und wissen wir doch selbst am Besten, welch tolle Schnuckelchen nur auf den Tag ihrer Befreiung warten.

Wenn wir Sie nun neugierig gemacht haben, bitte zögern Sie nicht uns anzusprechen. Auch von den hier auf der Homepage vorgestellten Hunden können wir einiges erzählen. Bei Fragen zu Hunden, die wir nicht persönlich kennen, werden wir uns selbstverständlich an unsere italienischen Freunde wenden.

Gebt den Hunden aus den Lagern eine Chance – es ist die einzige, die sie in ihren erbärmlichen Leben haben!!!

Bamberg im März 2014
Andrea Würstlein